Plakat 09
Trost
Trost hält den Regen nicht auf. Der Gekreuzigte setzt sich zu dir.
Vertröstung schiebt das Leben beiseite und spricht von später. Getrostheit hält im wirklichen Leben stand. Sie kennt die Anfechtung, dass alles trostlos sei. Doch der verwundete Christus bleibt nicht auf sicherer Entfernung. Er teilt den Regen.

Drei Texte, eine Nähe
Weinen. Mitleiden. Weitergeben.
Johannes 11,33-36 · Hebräer 4,14-16 · 2. Korinther 1,3-7
Biblischer Trost beweist nicht, dass das Leid halb so schlimm sei. Er widerspricht dem Verlassensein mitten im Leid.
Weinen.
Jesus weint am Grab des Lazarus. Er überspringt die Tränen nicht mit einer richtigen Lehre. Seine Nähe beginnt dort, wo der Schmerz den Menschen erreicht hat.
Mitleiden.
Der Hebräerbrief spricht von Christus, der mit unserer Schwachheit mitleiden kann. Der Tröster trägt Wunden. Darum redet er nicht von oben auf den Verwundeten ein.
Weitergeben.
Paulus empfängt Trost nicht als privaten Vorrat. Was ihn aufrichtet, soll durch ihn andere erreichen. Trost setzt Hände, Worte und Wege zum Bedrängten hin in Bewegung.
Zwei Wörter kommen nahe
Trost ist Zuspruch und geteilte Verletzlichkeit.
Das Neue Testament verbindet Trost mit Ermutigung und Beistand. Zugleich beschreibt es Christus als den, der an unserer Schwachheit Anteil nimmt. Beides gehört zusammen: ein Wort, das trägt, und eine Nähe, die sich nicht entzieht.
- παράκλησις
- paráklēsisTrost, Zuspruch, Ermutigung
- συμπαθέω
- sympathéōmitleiden, Anteil nehmen
Die Trostlosigkeit widerlegt den Trost nicht. Sie ist der Ort, an dem sich seine Tragfähigkeit bewähren muss.
Wingrens Herzmitte
Getrostheit ist empfangene Kraft.
Sie entsteht nicht aus der Fähigkeit, sich selbst zu beruhigen.
Wingren denkt das Leben als Bewegung von Gabe und Empfang. Ein Mensch lebt nicht aus sich selbst. Brot, Sprache, Arbeit, Vergebung und Mut erreichen ihn von aussen und gehen durch ihn weiter. Auch Trost ist eine solche Gabe.
Darum bleibt Trost konkret. Er wird zu einer Stimme, die den Namen ausspricht, zu einer Hand, die eine Tasse reicht, zu einem Menschen, der Zeit teilt. Was Gott zum Leben gibt, sucht den bedrängten Nächsten.

Das Bild denkt mit
Der Regen fällt auf beide.
Das Bild schenkt keinen Wetterwechsel. Die Frau bleibt erschöpft, die Strasse bleibt nass. Christus sitzt nicht unter einem schützenden Dach. Er nimmt denselben Regen auf seinen Leib.
Das rostfarbene Tuch verbindet die beiden, ohne die Frau zu verschlucken. Die Tasse ist klein. Gerade deshalb ist sie wahr: Trost erscheint als unscheinbare Gabe, die das Schwere nicht leugnet und dennoch Wärme weiterreicht.
Der erweiterte Wingren
Der Gekreuzigte tröstet von unten.
Seine Wunden sind kein Argument. Sie sind seine Nähe.
Christus erklärt der Frau nicht, warum es regnet. Er verlangt auch keine schnelle Deutung ihres Schmerzes. Der Gekreuzigte setzt sich in die bedrohte Wirklichkeit hinein, die er selbst durchlitten hat.
Doch sein Bleiben ist nicht bloss passiv. Der Auferstandene trägt die Wunden des Gekreuzigten. Darum verbindet christlicher Trost Gegenwart und Verheissung: Du bist jetzt nicht verlassen, und die Trostlosigkeit erhält nicht das letzte Wort.
Die Frage bleibt hängen
Bei wem kannst du bleiben, obwohl du den Regen nicht aufhalten kannst?
Das Plakat eignet sich für Kirche, Seelsorgeraum, Kirchgemeindehaus, Spital und Gesprächsgruppe. Es verspricht keine leidfreie Welt. Es fragt nach einer Nähe, die sich gerade unter der Anfechtung bewährt.
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