Die vierte Form der Bibliothek
Plakate
Ein Bild. Wenige Sätze. Eine Richtung.
Ein Plakat will nicht alles sagen. Es will einen Blick unterbrechen. Ein grosses Bild zieht hinein. Wenige Verben geben dem Denken eine Bewegung. Ein letzter Satz öffnet die Frage nach dem Nächsten.
Das erste Plakat ansehen
Vier Formen, vier Aufgaben
Das Plakat tritt aus der Seite heraus.
Radikal vereinfachen
Weniger sagen. Genauer treffen.
Vereinfachung darf ein Thema nicht harmlos machen. Sie muss seine Spannung so scharf fassen, dass ein Mensch auch im Vorübergehen hineingezogen wird.
Das Thema bleibt ambivalent.
Demokratie, Macht, Freiheit oder Arbeit sind weder einfach gut noch einfach böse. Das Plakat sucht den Punkt, an dem sich ihre Richtung entscheidet.
Das Bild denkt zuerst.
Die Kunst schmückt keine fertige Aussage. Körper, Farben, Abstände und Blicke stellen eine Frage, bevor der Text eine Antwort anbietet.
Die Verben geben Richtung.
Sprechen, hören, widersprechen, schützen. Das Plakat beschreibt keine Haltung von aussen. Es ruft den betrachtenden Menschen in eine Bewegung hinein.
Vom erweiterten Wingren geprägt
Die Kraft verrät sich an ihrem Ziel.
Nicht die Stärke einer Stimme entscheidet über ihren Wert. Es entscheidet sich daran, wem sie Raum zum Leben verschafft.
Wingren denkt Gottes Gaben auf den Nächsten hin. Die Sünde biegt diese Bewegung zum eigenen Vorteil zurück. Christus richtet sie neu aus. Darum fragt jedes Plakat nach einer sichtbaren Kraft und nach ihrer Richtung. Es kann diesen theologischen Hintergrund tragen, ohne ihn auf der Bildfläche auszuformulieren.
Ein Plakat aus diesem Geist fragt nicht nur: Was sehe ich? Es fragt: Wohin bewegt mich, was ich sehe?

Plakat 01
Demokratie
Sprich. Hör. Widersprich. Damit der andere leben kann.
Das erste Plakat zeigt Demokratie nicht als friedliche Einigkeit. Menschen sprechen, hören, widersprechen und schützen. In ihrer Mitte bleibt Raum. Niemand besitzt ihn. Demokratie beginnt dort, wo Macht nicht nur die eigene Stimme vergrössert, sondern dem Leben des anderen dient.