Plakat 04
Natur
Natur ist nicht Gott. Du aber auch nicht.
«Natur» kann das Lebendige schützen. Das Wort kann es aber auch verklären oder zur blossen Vorratskammer erklären. Der Schöpfungsglaube befreit aus beiden Irrwegen. Die Erde gehört weder dem Menschen noch sich selbst. Sie lebt von Gott und wird dem Menschen anvertraut.

Natur oder Schöpfung?
Ein Wort verändert die Beziehung.
Genesis 1 · Genesis 2,15 · Römer 8,19-23
Natur benennt, was vor Augen liegt. Schöpfung fragt, von wem es lebt und wem es dienen soll.
Gabe.
Atem, Wasser, Boden, Tier und Frucht beginnen nicht bei uns. Wir empfangen sie. Dankbarkeit nimmt ihnen nichts von ihrer Eigenart. Sie nimmt dem Menschen nur den Anspruch, ihr Herr zu sein.
Wunde.
Die Bibel nennt die Welt gut, aber nicht unversehrt. Die Schöpfung seufzt. Krankheit, Gewalt und Tod werden nicht dadurch heilig, dass sie natürlich vorkommen.
Ruf.
Was wir empfangen, sucht eine Richtung. Wasser will Durst stillen. Boden will Leben tragen. Macht über Geschaffenes wird zum Auftrag, ihm Raum zu geben.
Der Garten ist kein Besitz
Dienen und hüten.
Genesis 2,15 stellt den Menschen nicht über den Garten. Gott setzt ihn hinein. Zwei hebräische Verben beschreiben seine Aufgabe. Beide begrenzen Herrschaft und machen Sorge zum Beruf.
- עָבַד
- ʿāvaddienen, bearbeiten
- שָׁמַר
- šāmarhüten, bewahren
Wer Natur vergötzt, muss am Ende auch ihre Härte heiligsprechen. Wer sie nur verbraucht, vergisst, dass er selbst von ihr lebt. Der Schöpfungsglaube dankt für das Leben und widerspricht dem Tod.
Wingrens Herzmitte
Gaben suchen den Nächsten.
Schöpfung geschieht, wenn empfangenes Leben weiterwirkt.
Für Wingren ist Schöpfung keine ferne Anfangstat. Gott gibt heute. Regen fällt, Brot wächst, Hände arbeiten, Tiere und Menschen nähren einander. Das Geschaffene bildet kein stummes Lager von Dingen. Es bewegt sich von Gabe zu Gabe.
Darin liegt der Beruf des Menschen. Er darf gestalten, aber nicht grenzenlos nehmen. Er darf ernten, aber nicht die Zukunft des Bodens verzehren. Die Frage lautet nicht nur: Was kann ich aus der Natur gewinnen? Sie lautet: Welches Leben ruft mich, und was soll durch meine Hand weitergehen?

Das Bild denkt mit
Frucht und Bruch stehen nebeneinander.
Links trägt ein Baum Früchte. Rechts hat der Sturm einen Stamm aufgerissen. Das Bild verweigert die idyllische Natur. Es zeigt Leben und Verletzung im selben Raum.
Der Mann thront nicht über diesem Raum. Er kniet auch nicht vor ihm nieder. Eine Hand empfängt Samen. Die andere reicht Wasser weiter. Maus und Vogel werden nicht zu Schmuck. Sie teilen mit ihm Boden, Durst und Gefahr. Der farbige Holzschnitt trägt den Gedanken im Material: Aus einem Baum entsteht ein Bild, das den Menschen an seine Grenze erinnert.
Der erweiterte Wingren
Christus tritt in die Schöpfung.
Er empfängt Brot. Er teilt es. Er heilt Körper. Er weckt auf.
Christus führt nicht aus der geschaffenen Welt hinaus. Er wird Fleisch, isst, schläft, berührt Kranke und weint am Grab. Damit bestätigt er nicht alles, was geschieht. Gerade sein Heilen widerspricht der frommen Ausrede, Leiden sei eben natürlich.
Am Kreuz erleidet Christus die Macht des Todes. In der Auferweckung bestreitet Gott dessen Anspruch, das letzte Gesetz der Natur zu sein. So darf christliche Sorge zugleich danken, schützen, klagen und hoffen. Sie betet die Natur nicht an. Sie dient den Geschöpfen vor Gott.
Die Frage bleibt hängen
Was empfängst du, und wem soll es dienen?
Das Plakat eignet sich für Kirche, Schule, Gemeindehaus, Erwachsenenbildung und Gespräche über Umwelt, Landwirtschaft, Technik oder Lebensstil. Es verlangt keine schnelle Einigkeit. Es stellt unsere Naturbilder vor eine konkrete Frage: Wo wird Leben durch unser Handeln empfangen, gepflegt und geteilt?
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