Plakat 06
Stadt
Kein Rad im Getriebe. Durch Menschen geht Leben weiter.
Eine Stadt sieht aus wie ein gewaltiger Apparat. Trams fahren, Leitungen verzweigen sich, Türen öffnen sich. Doch nichts davon geschieht von selbst. Wasser, Brot, Pflege, Licht und Schutz erreichen Menschen durch die Arbeit anderer Menschen, deren Namen sie meistens nicht kennen.

Drei Städte, eine Bewegung
Suchen. Weinen. Hineingehen.
Jeremia 29,7 · Lukas 19,41-48 · Offenbarung 21,2-5
Die Bibel verklärt die Stadt nicht. Sie verwirft sie auch nicht. Sie fragt, ob in ihr Leben ankommt.
Suchen.
Die Verschleppten sollen das Wohl Babylons suchen. Sie arbeiten für eine Stadt, die sie sich nicht ausgesucht haben. Ihr eigenes Leben und das Leben der Fremden lassen sich nicht sauber voneinander trennen.
Weinen.
Jesus sieht Jerusalem und weint. Er beschönigt ihre Gewalt nicht. Doch seine Klage ist keine Verachtung. Wer über eine Stadt weint, hat sie noch nicht preisgegeben.
Hineingehen.
Jesus bleibt nicht auf sicherer Entfernung. Er geht hinein, widerspricht und heilt. Am Ende kommt die neue Stadt von Gott herab. Die Hoffnung flieht nicht aus der bewohnten Welt.
Nicht das Getriebe, das gemeinsame Leben
Das Wohl der Stadt hat ein Gesicht.
Zwei biblische Wörter bewahren die Stadt davor, bloss als Technik oder Verwaltung zu erscheinen. Das eine fragt nach unversehrtem Leben. Das andere bezeichnet den gemeinsamen Raum, in dem dieses Leben gelingen oder verhindert werden kann.
- שָׁלוֹם
- šālômFriede, Wohlergehen, unversehrtes Leben
- πόλις
- pólisStadt, gemeinsamer Lebensraum
Eine Stadt wird nicht menschlich, weil alles reibungslos läuft. Sie wird menschlich, wenn Wasser, Brot, Pflege, Recht und Schutz den konkreten Nächsten erreichen.
Wingrens Herzmitte
Beruf ist keine Schraube im System.
Arbeit empfängt ihre Richtung nicht vom Getriebe, sondern vom Nächsten.
Wingrens Berufsgedanke beginnt nicht beim Erfolg und nicht bei der Selbstverwirklichung. Ein Mensch empfängt Fähigkeiten, Werkzeuge, Zeit und die Arbeit anderer. Durch seine eigene Arbeit kann etwas Lebensnotwendiges weitergehen. Der Beruf verbindet Menschen, die einander oft niemals begegnen.
Das heiligt kein Arbeitssystem. Wo Beschäftigte austauschbar gemacht, unsichtbar gehalten oder verbraucht werden, verwandelt die Stadt Menschen tatsächlich in Räder. Der Nächste, dem Arbeit dienen soll, steht auch auf der anderen Seite der Leitung: als Arbeiterin, Fahrer, Pflegerin oder Handwerker.

Das Bild denkt mit
Unter der Strasse liegt keine Nebenwelt.
Oben fährt die Tram. Brot wird ausgeliefert. In Wohnungen brennt Licht. Unten kniet ein Arbeiter an einem Ventil. Die Stadt nimmt seine Arbeit in Anspruch, ohne seinen Namen zu kennen.
Die leuchtende blaue Leitung verbindet beide Ebenen. Sie macht sichtbar, was sonst im Boden verschwindet: Eine Bewegung geht von Händen durch Dinge zu anderen Menschen. Die architektonische Cyanotypie lässt die Stadt wie einen technischen Plan erscheinen. Der einzelne Mensch widerspricht diesem Plan. Er ist kein Teil der Leitung. Durch seine Aufmerksamkeit kann die Leitung dienen.
Der erweiterte Wingren
Christus weint und geht hinein.
Er betrachtet die Stadt weder von oben noch aus sicherer Ferne.
Christus sieht Jerusalems verfehlten Frieden. Er weint, weil in ihren Mauern Menschen verletzt werden und Gottes Gaben ihre Richtung verlieren. Dann geht er hinein. Seine Klage wird zur Bewegung. Er lehrt, heilt, widerspricht und setzt sich selbst aus.
Darum sucht christliche Hoffnung nicht den unberührten Ort ausserhalb der Stadt. Sie tritt in ihre Abhängigkeiten und Konflikte ein. Sie fragt, wer übersehen wird, wo Leben nicht ankommt und welche Wege sich neu öffnen müssen. Christus wartet nicht im Heiligtum. Er begegnet Menschen mitten in der Stadt.
Die Frage bleibt hängen
Welche unbekannte Arbeit hat deinen Morgen schon erreicht?
Das Plakat eignet sich für Kirche, Schule, Gemeindehaus, Verwaltung, Werkstatt und öffentliche Räume. Es lädt dazu ein, eine Stadt nicht nur nach Gebäuden und Verkehr zu lesen, sondern nach den verborgenen Wegen, auf denen Menschen einander das Leben ermöglichen und manchmal auch verwehren.
Plakat 06 als PDF öffnen