Plakat 02
Ehre
Empfange. Gib weiter. Du musst dich nicht selbst beweisen.
Wovon lebt ein Mensch, wenn Leistung, Ansehen und Erfolg nicht mehr tragen? Das Plakat folgt einer überraschenden Antwort aus Jeremia 9 und aus Wingrens Theologie: Ehre muss nicht erkämpft werden. Gott schenkt sie. Darum kann sie zum anderen weitergehen.

Die biblische Wurzel
«Wer sich rühmen will ...»
Jeremia 9,22 bis 23. In anderer Zählung: Jeremia 9,23 bis 24.
«Sich rühmen» heisst hier mehr als prahlen. Es bezeichnet das, worauf ein Mensch sein Gewicht legt. Woraus beziehe ich Ehre, Wert und Lebenskraft? Was bleibt von mir, wenn ich müde werde oder scheitere?
Weisheit
Wissen lässt einen Menschen urteilen und handeln. Doch auch der klügste Blick kann irren. Erkenntnis trägt nicht das ganze Leben.
Stärke
Kraft kann schützen und verändern. Wird sie zur Quelle der eigenen Ehre, bedroht jede Schwäche den Menschen selbst.
Reichtum
Besitz schafft Möglichkeiten und Sicherheit. Er kann aber nicht garantieren, dass ein Mensch angesehen bleibt und leben darf.
Der Satz wendet den Blick
Nicht weniger Ehre. Eine andere Quelle.
Jeremia fordert keine künstliche Bescheidenheit. Der Mensch soll sich dessen rühmen, Gott zu erkennen. Das meint nicht, über Gott gut Bescheid zu wissen. Es heisst, Gottes Handeln zu erkennen und sich darauf zu verlassen.
- חֶסֶד
- chesedGüte und Treue
- מִשְׁפָּט
- mischpatRecht
- צְדָקָה
- zedaqahGerechtigkeit
Der entscheidende Ort lautet: «auf Erden». Gottes Güte, Recht und Gerechtigkeit bleiben keine fernen Gedanken. Sie richten beschädigtes Leben auf. Darum gründet Ehre nicht länger darin, dass ein Mensch über anderen steht. Sie gründet in Gottes Handeln und bewegt sich zum anderen hin.
Die theologische Zuspitzung
Gott schenkt Ehre.
Der Mensch muss seinen Wert nicht herstellen. Er darf ihn empfangen.
Wingren liest die Rechtfertigung aus Glauben als Befreiung vom Zwang, sich selbst aufzubauen. Wissen, Beruf, Erfolg und Anerkennung bleiben gute Gaben. Doch sie zerbrechen, wenn sie den ganzen Menschen tragen sollen. Gottes Urteil kommt zuerst: Du darfst leben. Du bist angesehen. Du musst deine Würde nicht gegen andere verteidigen.
Drei Bewegungen
Ehre steigt nicht höher. Sie geht weiter.
Festhalten.
Wer seinen Wert aus Leistung gewinnt, muss Erreichtes festhalten. Jede Niederlage bedroht dann nicht nur ein Werk, sondern den Menschen selbst.
Empfangen.
Glaube hört Gottes Urteil, bevor er etwas vorweisen kann. Geschenkte Ehre erreicht gerade die beschämte und verwundete Stelle.
Weitergeben.
Wer sich nicht mehr beweisen muss, kann anderen Raum geben. Ihre Würde schmälert die eigene nicht. Sie lässt sie aufleuchten.

Das Bild denkt mit
Christus kniet.
Links hält sich ein Mensch an Buch, Aktenkoffer und Auszeichnung fest. Seine Höhe bleibt schmal und unsicher. Alles, was ihn trägt, kann kippen. Rechts steigt Christus nicht auf einen zweiten Sockel. Er kniet vor einem verletzten Menschen und legt ihm den orangefarbenen Mantel um.
Die offene Hand trägt nur eine feine, geschlossene Narbe. Sie drängt sich nicht vor. Sie zeigt, wer hier gibt. Christus wird entehrt, doch er hört nicht auf, anderen Ehre zu schenken. Der Mantel wärmt nicht nur. Er macht den Beschämten wieder sichtbar.
Ein Ort für Wunden
Vor Gott muss keine Wunde glänzen.
Gottesdienst beginnt nicht mit der religiösen Fassade. Er beginnt dort, wo ein Mensch seine verletzte Stelle nicht mehr verbirgt.
Wingren widerspricht einer Frömmigkeit, die ihre Erfolge vor Gott trägt. Gebet beruft sich nicht auf die eigene Würdigkeit. Es hält sich an Gottes Ruf und an Christi Verheissung. So wächst eine kindliche Kühnheit. Wer seine Ehre nicht mehr schützen muss, kann handeln, widersprechen und vor Mächtigen stehen.
Die Frage bleibt hängen
Wem gebe ich heute Raum?
Das Plakat eignet sich für Kirche, Kirchgemeindehaus, Seelsorgeraum, Schule und Arbeitsplatz. Es fragt nicht zuerst, welche Ehre ein Mensch besitzt. Es fragt, ob die empfangene Ehre einen anderen Menschen aufleben lässt.
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