Plakat 08
Friedhof
Der Tod hat hier einen Ort. Aber kein Recht.
Ein Friedhof bewahrt Namen, Daten und Geschichten. Er gibt der Trauer einen Ort. Doch er heiligt den Tod nicht. Wer einen Menschen bestattet, übergibt ihn der Erde. Wer auf Christus hofft, übergibt dem Tod nicht die Zukunft.

Drei Texte, ein Widerspruch
Weinen. Rufen. Aufstehen.
Johannes 11,33-44 · Markus 16,1-8 · 1. Korinther 15,20-26
Die Bibel verbietet die Trauer nicht. Sie verbietet dem Tod, sich als natürliches Ziel der Schöpfung auszugeben.
Weinen.
Jesus weint am Grab des Lazarus. Seine Tränen versöhnen ihn nicht mit dem Tod. Sie zeigen, wie tief der Tod das von Gott gewollte Leben verletzt.
Rufen.
Jesus ruft Lazarus aus dem Grab. Der Tote kann sich nicht selbst bewegen. Das Leben kommt als Ruf von aussen und gibt ihm die Bewegung zurück.
Aufstehen.
Die Frauen finden Jesu Grab offen. Das Wort schickt sie weg vom Ort des Todes. Paulus nennt Christus den Erstling und den Tod den letzten Feind.
Zwei Wörter widersprechen
Der Tod wird nicht erklärt. Er wird angegriffen.
Johannes beschreibt Jesu Erschütterung mit einem starken Verb. Paulus nennt den Tod nicht Freund, Grenze oder Vollendung, sondern Feind. Trauer und Widerstand gehören deshalb zusammen.
- ἐμβριμάομαι
- embrimáomaiheftig bewegt und empört sein
- ἔσχατος ἐχθρός
- éschatos echthrósder letzte Feind
Der Friedhof ist kein Beweis der Auferstehung. Er ist der Ort, an dem das Evangelium dem sichtbar Gewordenen widerspricht.
Wingrens Herzmitte
Der Tod unterbricht Gottes Bewegung.
Darum ist er nicht einfach ein Teil des Lebens.
Für Wingren zielt Gottes Schöpfung auf Leben, Arbeit, Sprache und Gemeinschaft. Gaben gehen von Menschen zu Menschen. Der Tod trennt Hände, Stimmen und Wege. Er ist nicht die stille Erfüllung dieser Bewegung, sondern ihr Abbruch.
Christus schliesst deshalb keinen Frieden mit dem Tod. Er geht in sein Gebiet, lässt sich von ihm treffen und nimmt ihm das letzte Wort. Die Auferstehung tröstet nicht am Tod vorbei. Sie ist Gottes Widerspruch gegen ihn.

Das Bild denkt mit
Das Licht wächst nicht aus dem Grab.
Der Mann steht bei den Gräbern. Die Blumen in seiner Hand und sein gesenkter Kopf nehmen die Trauer ernst. Das Bild drängt ihn nicht zum schnellen Weitergehen. Es lässt ihn bleiben.
Doch der helle Weg kommt nicht aus einem Grab. Er fällt von aussen durch das offene Tor in den Friedhof. Hoffnung ist keine Eigenschaft des Todes. Sie erreicht den Ort des Todes als Verheissung von aussen.
Der erweiterte Wingren
Frieden mit den Toten. Kein Frieden mit dem Tod.
«Begrabe die Deinen» verbindet Liebe, Wirklichkeit und Abschied.
Eine Bestattung ehrt den verstorbenen Menschen. Sie schützt ihn vor dem Verschwinden und gibt den Lebenden einen Ort für Namen, Erinnerung und Klage. Gerade diese Liebe muss den Tod nicht verklären.
«Nicht deine Hoffnung» hält offen, was kein Grab halten kann. Hoffnung entsteht nicht aus unserer Fähigkeit, loszulassen. Sie empfängt ihre Richtung von Christus, der Tote beim Namen ruft und Menschen füreinander wieder in Bewegung setzt.
Die Frage bleibt hängen
Welche Hoffnung darfst du nicht mitbegraben?
Das Plakat eignet sich für Kirche, Abdankungsraum, Kirchgemeindehaus und Gesprächsgruppen. Es erlaubt Trauer, ohne den Tod zum Freund zu erklären. Der Friedhof bewahrt Namen. Christus ruft Menschen.
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