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Plakat 07

Dorf

Du siehst alle. Aber wen sprichst du an?

Im Dorf begegnen sich Menschen immer wieder. Sie kennen Namen, Häuser, Wege und Geschichten. Doch Nähe allein schafft noch kein Gespräch. Man kann viel übereinander wissen und einander dennoch das Wort entziehen.

Plakat Dorf: Eine Frau geht auf einem leuchtenden Weg in ein geschlossenes Dorf, der Weg verzweigt sich zu den Häusern
A3 · druckbares PDF

Drei Orte, eine Bewegung

Festlegen. Zuhören. Aufbrechen.

Markus 6,1-6 · Lukas 24,13-35 · Johannes 4,28-42

Die Bibel weiss, wie Nähe tragen kann. Sie weiss auch, wie Nähe einen Menschen auf das längst Bekannte festlegt.

01

Festlegen.

In Nazareth kennen alle Jesu Familie und Beruf. Gerade dieses Wissen verschliesst ihre Ohren. Sie sehen den Vertrauten und hören nicht mehr, was durch ihn neu zu ihnen kommt.

02

Zuhören.

Auf dem Weg nach Emmaus tritt ein Fremder zu zwei Enttäuschten. Er fragt, hört und öffnet die Schrift. Am Tisch erkennen sie ihn. Das Gespräch bewegt sie noch in derselben Nacht zurück zu den anderen.

03

Aufbrechen.

Die Frau am Brunnen geht nach Sychar und spricht aus, was sie erlebt hat. Ihr Wort setzt andere in Bewegung. Sie verlassen ihre Häuser, begegnen Jesus und hören schliesslich selbst.

Ein Wort geschieht

Sprache überträgt nicht nur Wissen.

Das biblische Wort trifft, ruft und schafft eine Antwort. Es verwandelt den Menschen, über den gesprochen wird, wieder in einen Menschen, mit dem gesprochen wird.

דָּבָר
dābārWort, Sache und wirksames Geschehen
κώμη
kṓmēDorf, bewohnter und überschaubarer Ort

Ein Dorf lebt nicht schon davon, dass Menschen einander sehen. Es lebt, wenn ein Wort den geschlossenen Kreis durchquert und einen Menschen neu ansprechbar macht.

Wingrens Herzmitte

Nähe wird erst zur Gabe, wenn sie weitergeht.

Überschaubarkeit kann tragen. Sie kann aber auch festhalten.

Im Dorf greifen Arbeit und Leben sichtbar ineinander. Einer backt, eine pflegt, einer räumt Schnee, eine unterrichtet. Gaben gehen durch bekannte Hände. Darin liegt eine besondere Stärke. Doch dieselbe Nähe kann Menschen auf Herkunft, Fehler oder Ruf festlegen.

Wingrens Berufsgedanke prüft deshalb nicht, ob ein Dorf eng zusammenhält. Er fragt, wohin seine Kräfte gehen. Erreicht Brot den Hungrigen? Findet die Einsame eine Stimme? Darf der Fremde antworten? Gemeinschaft lebt nicht vom geschlossenen Kreis. Sie lebt davon, dass empfangene Gaben den Nächsten erreichen.

Papiercollage des Dorf-Plakats mit geschlossenem Häuserkreis und einem leuchtenden Weg zu den Türen

Das Bild denkt mit

Der Weg kommt nicht aus der Mitte.

Die Häuser bilden einen deutlichen Kreis. Ihre Fenster leuchten, doch viele Türen bleiben geschlossen. Das Dorf schützt Leben und grenzt es zugleich ein. Die Frau steht weder einsam ausserhalb noch sicher in der Mitte. Sie überschreitet die Grenze.

Der rote Weg kommt von aussen. Er durchbricht den Ring, erreicht die Frau und verzweigt sich erst danach zu den Häusern. So wird das Wort nicht zum Besitz einer Mitte. Es geht weiter, öffnet Türen und schafft neue Wege zwischen Menschen.

Der erweiterte Wingren

Christus kommt ins Gerede.

Er verbietet das Reden nicht. Er gibt ihm eine neue Richtung.

Christus lässt sich in Nazareth nicht auf das längst bekannte Bild festlegen. Auf dem Weg nach Emmaus hört er zuerst die enttäuschten Worte. In Sychar nimmt er das Zeugnis einer Frau in Dienst, die zuvor selbst zum Gegenstand des Geredes geworden war.

Wo Christus zur Sprache kommt, wird aus dem Übereinander nicht automatisch ein harmonisches Miteinander. Widerspruch bleibt. Doch der Übergangene erhält ein Wort, der Festgelegte eine neue Möglichkeit und der geschlossene Kreis einen Ausgang. Das Evangelium schafft keine sprachlose Einigkeit. Es ruft Menschen einander neu zu.

Die Frage bleibt hängen

Wen siehst du oft, ohne ihn noch wirklich anzusprechen?

Das Plakat eignet sich für Kirche, Kirchgemeindehaus, Schule, Dorfplatz und öffentliche Räume. Es lädt dazu ein, vertraute Nähe neu zu prüfen. Wer wird gesehen, aber nur besprochen? Wo kann ein erstes Wort aus dem Übereinander ein Miteinander machen?

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