Plakat 01
Demokratie
Sprich. Hör. Widersprich. Damit der andere leben kann.
Demokratie lebt nicht davon, dass meine Stimme gewinnt. Sie lebt davon, dass Menschen sprechen dürfen, einander hören, widersprechen und bedrohtem Leben Raum verschaffen. Darin liegt ihre Kraft. Darin liegt auch ihre Gefährdung.

Die theologische Zuspitzung
Macht empfängt ihre Richtung vom Nächsten.
Demokratie ist nicht heilig. Sie bleibt ein menschliches Ordnen von Macht. Gerade deshalb muss sie immer wieder fragen, wem Macht dient.
Wingrens Berufsgedanke setzt beim Menschen ein, der meine Gabe braucht. Auf die Demokratie übertragen heisst das: Meine Stimme gehört mir, aber sie endet nicht bei mir. Sie soll einen Raum mitgestalten, in dem auch der andere sprechen, widersprechen und leben kann. Die Sünde macht Macht zum Besitz. Christus befreit zum Dienst.
Drei Verben
Die Stimme kommt aus sich heraus.
Sprich.
Wer schweigt, überlässt den Raum den Lauten. Sprechen übernimmt Verantwortung. Es macht ein Urteil hörbar und setzt es der Prüfung anderer aus.
Hör.
Der andere ist nicht das Hindernis meiner Meinung. Seine Stimme kann meinen Blick korrigieren. Hören lässt mich nicht unverändert.
Widersprich.
Widerspruch zerstört Gemeinschaft nicht notwendig. Er kann sie schützen, wenn Macht Menschen verdrängt, beschämt oder zum Schweigen zwingt.

Das Bild denkt mit
Die Mitte bleibt frei.
Der expressionistische Holzschnitt zeigt keine geordnete Versammlung. Gesichter und Hände drängen gegeneinander. Eine Frau spricht. Ein Mann hält sein Ohr hin. Eine offene Hand stoppt und antwortet. Am Rand schützt ein Arm ein verletzliches Kind.
Zwischen den Menschen bleibt eine helle Mitte. Sie ist kein leerer Rest. Sie ist der gemeinsame Raum, den niemand besitzt. Schwarz, Blau und Orange steigern die Spannung. Die groben Schnitte glätten den Streit nicht. Sie fragen, ob der Streit dem Leben dient oder den anderen aus dem Raum drängt.
Die Frage bleibt hängen
Wem verschafft meine Stimme Raum?
Das Plakat eignet sich für Kirchgemeindehaus, Schule, Erwachsenenbildung und Gesprächsraum. Es liefert keine Parteimeinung. Es stellt eine theologische Prüffrage an jede politische Richtung und an jeden Menschen, der öffentlich spricht.
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