Zur Reihe Blickwechsel

Blickwechsel 03

Work-Life-Balance

Nicht zwei Leben ausgleichen. Im einen Leben gerufen werden.

Work-Life-Balance schützt vor dem Anspruch, immer verfügbar und leistungsfähig sein zu müssen. Wingrens Berufsgedanke würdigt diesen Schutz. Zugleich fragt er, ob die Waage das Leben zu früh in zwei Bereiche zerlegt. Auch Arbeit ist Leben. Auch Ruhe dient nicht bloss dazu, den arbeitenden Menschen wieder aufzufüllen.

Vollständiges Blatt Blickwechsel 03: Work-Life-Balance
Eine Seite. Neun Sätze. Eine neue Blickrichtung.

Der theologische Kern

Beide Schalen sind Leben.

Der Feierabend beginnt nicht erst mit dem Leben. Und die Arbeit darf es nicht verschlingen.

Der Schöpfer handelt diesseits und jenseits des Arbeitsplans. Menschen stellen etwas her, pflegen, essen, schlafen, spielen, werden unterbrochen und lassen sich tragen. Beruf meint deshalb mehr als Erwerbsarbeit. Er beginnt bei Gottes Ruf, der eine empfangene Gabe zum Nächsten lenkt. Dieser Ruf kann in eine Aufgabe führen. Er kann einen Menschen auch aus ihr herausrufen.

Der Gedankengang des Blattes

Die Waage wird gewürdigt und geprüft.

01

Der berechtigte Schutz

Grenzen, Erholung und unverfügbare Zeit schützen den Menschen vor einer Arbeit, die ihn vollständig beanspruchen will.

02

Der blinde Fleck

Die Waage trennt, was schon zusammengehört. Gott erhält Leben im Herstellen und Ausruhen, im Geben und Empfangen.

03

Der befreiende Ruf

Christus befreit vom Zwang zur Leistung und vom Zwang zur Selbstverwirklichung. Er ruft zur Aufgabe, an den Tisch und in die Ruhe.

Ein Mensch balanciert über zwei Waagschalen, während darunter Brot, Werkzeug und Fürsorge von Hand zu Hand gehen

Das Bild denkt mit

Was kann die Waage nicht wiegen?

Oben versucht ein Mensch, Arbeit und Erholung auszutarieren. Auf der einen Schale liegen Laptop, Handschuh und Werkzeug. Auf der anderen warten Kissen und Teekanne. Die Waage macht den berechtigten Wunsch sichtbar, nicht von einer Seite verschlungen zu werden.

Darunter fliesst das Leben längst quer durch die Trennung. Brot, Schale, Werkzeug und Hilfe wechseln die Hände. Ein erschöpfter Mensch empfängt. Das Bild fragt, ob der entscheidende Gegensatz wirklich zwischen Arbeit und Leben liegt. Vielleicht verläuft er zwischen einem Leben, das andere verbraucht, und einem Leben, das empfängt und weitergibt.

Lesen, ausdrucken, weitergeben

Der ganze Gedanke auf einer Seite.

Das Blatt eignet sich als kurzer Einstieg in einen Erwachsenenbildungsabend, als Impuls für ein Team oder als konzentrierte Lektüre für Einzelne. Es verteidigt Grenzen, ohne Ruhe zur blossen Tankstelle der Leistung zu machen. Und es beschreibt Beruf, ohne Erschöpfung zu heiligen.

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