Blickwechsel 04
Lachen
Der Mund öffnet sich. Die Richtung entscheidet.
Jeder Mensch lacht. Doch nicht jedes Lachen tut dasselbe. Es kann Angst entladen, Schmerz verdecken, Gemeinschaft öffnen oder einen Menschen aus ihr hinausdrängen. Wingrens Theologie nimmt solche seelischen und leiblichen Vorgänge ernst. In ihnen wirkt die Kraft des geschaffenen Lebens. Zugleich können Menschen diese Kraft gegen andere kehren.

Der theologische Kern
Die Richtung macht das Lachen wahr.
Der Schöpfer öffnet den Mund. Die Sünde biegt den Laut. Christus richtet ihn neu aus.
Lachen gehört zum Leib. Es löst Spannung, überträgt Freude und unterbricht den falschen Ernst einer Ordnung, die sich für unantastbar hält. Darin kann Gottes erhaltendes und befreiendes Schaffen aufleuchten. Doch dieselbe Kraft kann einen Gebeugten treffen. Darum entscheidet nicht bloss, ob ein Mensch lacht. Entscheidend ist, wohin sein Lachen geht und wen es aufrichtet.
Drei mögliche Richtungen
Ein Laut. Drei Bewegungen.
Nach unten
Auslachen macht einen Menschen zum Gegenstand. Wer oben steht, sichert seine Stellung, indem er den Schwächeren noch kleiner macht.
Auf Augenhöhe
Befreiendes Lachen nimmt sich selbst nicht für das Letzte. Es teilt Freude, löst Angst und kann Tränen Raum lassen, ohne sie wegzulachen.
Nach oben
Wer vor Gott frei wird, muss aufgeblasene Macht nicht anbeten. Das Lachen rückt ihre Krone schief, weil sie nicht das letzte Wort besitzt.

Das Bild denkt mit
Wohin geht der Atem?
Aus demselben Mund brechen drei Bewegungen hervor. Dunkle Splitter treffen einen Menschen, der sich schon zusammenzieht. Warme Wellen erreichen Menschen am Tisch. Ein heller Atemzug steigt zur Krone auf dem übergrossen Stuhl und bringt sie ins Rutschen.
Der Mund bleibt derselbe. Auch der Laut könnte ähnlich klingen. Erst das Ziel zeigt, was geschieht. Das Bild fragt deshalb nicht, ob Lachen erlaubt ist. Es fragt, wen dieses Lachen trifft, mit wem es sich verbindet und welche Macht es nicht länger fürchten muss.
Lesen, ausdrucken, weitergeben
Das Lachen theologisch hören.
Das Blatt eignet sich als kurzer Impuls für Einzelne, eine Gesprächsgruppe oder einen Erwachsenenbildungsabend. Es nimmt die psychologische Vieldeutigkeit des Lachens ernst und fragt zugleich nach Schöpfung, Sünde und Befreiung. So wird aus einer alltäglichen Erfahrung eine genaue theologische Frage.
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