Zur Reihe Plakate

Plakat 03

Sterbehilfe

Heilung kann enden. Dein Ruf nicht.

«Sterbehilfe» bündelt sehr verschiedene Handlungen in einem Wort. Das Plakat nimmt nicht den einfachen Weg. Es verwechselt das Zulassen des Sterbens nicht mit dem Herbeiführen des Todes. Und es lässt einen Menschen mit seinem Sterbewunsch nicht allein.

Plakat Sterbehilfe: Eine schwerkranke ältere Frau und eine begleitende Frau halten einander die Hände, eine dritte Hand trägt beide von unten
A3 · 300 dpi · druckbares PDF

Drei Bewegungen

Nicht alles heisst dasselbe.

Eine theologische Unterscheidung für eine schwierige Wirklichkeit

Am Lebensende reicht ein Schlagwort nicht. Gerade wer klar urteilen will, muss verschiedene Handlungen unterscheiden.

01

Lindern.

Schmerz, Atemnot, Angst und Einsamkeit verlangen Hilfe. Palliative Behandlung gibt nicht auf. Sie handelt konkret für ein möglichst erträgliches Leben.

02

Zulassen.

Medizin muss nicht alles Machbare tun. Wenn eine Behandlung nicht mehr hilft oder nur das Sterben verlängert, kann ihre Begrenzung dem Menschen dienen.

03

Bleiben.

Ein Sterbewunsch darf weder beschämt noch vorschnell bestätigt werden. Er verlangt Zuhören, Schutz vor Druck, sorgfältige Prüfung und verlässliche Begleitung.

Medizinethische Sorgfalt

Der Wunsch muss gehört werden.

Die Schweizerische Akademie der Medizinischen Wissenschaften zählt Behandlung, Betreuung und Begleitung zu den zentralen Aufgaben der Medizin. Sie fordert, Sterbewünsche ernst zu nehmen, ihre Gründe zu verstehen, Beschwerden zu lindern und mögliche Alternativen zu prüfen.

Das Plakat ersetzt keinen medizinischen Entscheid und kein seelsorgliches Gespräch. Es hält eine theologische Richtung offen: Wo nichts mehr geheilt werden kann, bleibt der Mensch dennoch ansprechbar, schutzwürdig und auf andere bezogen.

Wingrens Herzmitte

Der Nächste ruft.

Beruf endet nicht dort, wo Heilung endet.

Für Wingren beginnt der Beruf nicht beim eigenen Rang und nicht bei einer abstrakten Pflicht. Er beginnt bei dem Menschen, der mich braucht. Am Lebensende verändert sich dieser Ruf. Vielleicht kann niemand mehr heilen. Doch Menschen können Schmerzen lindern, Angst aushalten, Entscheidungen mittragen, schweigen, wachen und eine Hand halten.

Der sterbende Mensch wird dabei nicht zum blossen Empfänger. Ein Blick, ein Name, ein Abschied und selbst die Bitte um Nähe können andere bewegen. Geben und Empfangen hören nicht auf. Sie werden leiser und deutlicher.

Expressionistische Zeichnung auf dem Plakat Sterbehilfe

Das Bild denkt mit

Drei Hände. Keine hält allein.

Zwei Frauen bestimmen das Bild. Die ältere Frau liegt nicht bereits im Tod. Sie schaut ihr Gegenüber an. Die jüngere Frau sitzt nicht über ihr. Sie reicht Wasser und bleibt auf derselben Höhe. Beide Hände suchen und empfangen Halt.

Eine dritte Hand trägt sie von unten. Die kleine, geschlossene Wundspur verweist auf Christus. Er tritt nicht als beherrschende Gestalt auf. Er löst den Konflikt nicht technisch. Seine Hand trägt die Sterbende und die Begleitende zugleich.

Der erweiterte Wingren

Christus bleibt.

Er erklärt den Tod nicht. Er geht hinein.

Christus rettet nicht aus sicherer Entfernung. Er wird schwach, lässt sich tragen, stirbt und wird von Gott auferweckt. Darum macht der christliche Glaube das Sterben nicht harmlos. Er widerspricht aber dem Anspruch des Todes, den Wert eines Menschen zu bestimmen oder das letzte Wort über ihn zu behalten.

So wird Bleiben mehr als menschliche Tapferkeit. Der begleitende Mensch darf selbst getragen sein. Er muss den Tod nicht besiegen. Er darf dem Sterbenden beistehen, weil Christus beiden bereits nahe ist.

Die Frage bleibt hängen

Was heisst bleiben, wenn ich nichts mehr lösen kann?

Das Plakat eignet sich für Kirche, Seelsorgeraum, Unterricht, Pflege, Erwachsenenbildung und das Gespräch über Entscheidungen am Lebensende. Es fällt kein Urteil über einzelne Menschen. Es fragt, welche Hilfe dem leidenden Menschen wirklich dient.

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