Zur Reihe Blickwechsel

Blickwechsel 05

Aggression

Die Kraft drängt. Christus wendet sie zum Leben.

Aggression gilt rasch als dunkle Kraft, die ein friedlicher Mensch möglichst unterdrückt. Doch ohne Kraft setzt niemand eine Grenze, schützt einen bedrohten Menschen oder widerspricht dem Unrecht. Darum fragt die weiterentwickelte Theologie Gustaf Wingrens genauer. Nicht jede Kraft zerstört. Entscheidend ist, wen sie trifft und wem sie Raum verschafft.

Vollständiges Blatt Blickwechsel 05: Aggression
Eine Seite. Eine Kraft. Zwei Richtungen.

Der theologische Kern

Die Kraft verrät sich an ihrem Ziel.

Der Schöpfer gibt Kraft. Die Sünde macht den Nächsten zum Ziel. Christus wendet Kraft zum Leben.

Das lateinische Wort aggredi kann herangehen und angreifen meinen. Darin liegt die Spannung. Ein Mensch braucht Kraft, um auf Widerstand zuzugehen. Doch die Sünde verdreht diese Bewegung. Dann wird der Nächste, dessen Leben meine Kraft braucht, zum Gegner, an dem ich meine Stärke beweise. Wingrens Schöpfungstheologie fragt deshalb nicht zuerst, ob ein Mensch Aggression besitzt. Sie fragt: Wem dient seine Kraft?

Drei Bewegungen

Angreifen. Eingreifen. Nicht vergelten.

01

Angreifen

Die Kraft sucht einen Gegner. Sie beherrscht, beschämt oder verletzt. Der andere soll kleiner werden, damit ich mich stärker fühle.

02

Eingreifen

Die Kraft stellt sich vor bedrohtes Leben. Sie setzt Grenzen, hält Zerstörendes zurück und schafft dem Menschen in Not Raum zum Leben.

03

Nicht vergelten

Christus erträgt am Kreuz Gewalt, ohne sie zurückzugeben. Er befreit Kraft vom Zwang, Gleiches mit Gleichem zu beantworten.

Dieselbe Kraft stösst links einen Menschen zurück und hält rechts ein schweres Gewicht von einem bedrohten Menschen fern

Das Bild denkt mit

Was tut die Kraft mit dem anderen?

Aus derselben Herzmitte fliesst rote Kraft in zwei Arme. Links stösst sie einen Menschen aus dem Raum. Rechts hält sie das Gewicht zurück, das einen anderen erdrückt. Die Kraft bleibt körperlich, angespannt und wirklich. Ihre Richtung verändert jedoch, was aus ihr wird.

Unten öffnet sich eine Hand. Sie erinnert an Markus 3. Jesus blickt zornig auf die verstockten Herzen. Sein Zorn endet aber nicht in einer Faust. Er spricht zum Mann: «Streck deine Hand aus!» Die geheilte Hand zeigt, wohin Christi Kraft geht.

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Die Kraft an ihrem Ziel prüfen.

Das Blatt eignet sich als kurzer Impuls für Einzelne, eine Gesprächsgruppe oder einen Erwachsenenbildungsabend. Es verharmlost zerstörerische Aggression nicht. Zugleich hilft es, Zorn, Widerstand und schützendes Eingreifen genauer voneinander zu unterscheiden. Die leitende Frage bleibt einfach: Wem dient meine Kraft?

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